Lauf-Ernährung
Kohlenhydrate und Gels
Der Magen ist trainierbar. Wer im Wettkampf 60 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde aufnehmen will, muss das vorher geübt haben.
Der Körper speichert Kohlenhydrate als Glykogen in Muskulatur und Leber. Die Menge reicht bei einem trainierten Freizeitläufer für etwa 90 bis 120 Minuten intensivere Belastung. Was danach passiert, ist im Marathon als der Einbruch bei Kilometer 30 bekannt.
Ab wann Verpflegung nötig wird
| Laufdauer | Kohlenhydrate unterwegs |
|---|---|
| bis 60 Minuten | keine |
| 60 bis 90 Minuten | optional, meist unnötig |
| 90 bis 150 Minuten | 30 bis 60 g pro Stunde |
| über 150 Minuten | 60 bis 90 g pro Stunde |
Die erste Portion kommt nicht, wenn die Beine schwer werden – dann ist es zu spät. Sie kommt nach etwa 45 bis 60 Minuten, also lange bevor der Speicher kritisch wird. Die Aufnahme braucht Zeit, und ein leerer Speicher lässt sich unterwegs nicht mehr auffüllen, nur noch verlangsamt leeren.
Warum über 60 Gramm eine Mischung braucht
Glukose wird über einen bestimmten Transporter in der Darmwand aufgenommen. Der ist bei etwa 60 Gramm pro Stunde ausgelastet – mehr Glukose bringt dann nichts mehr, sie bleibt im Darm und verursacht dort Beschwerden.
Fruktose nutzt einen anderen Transporter. Eine Mischung aus beiden, typischerweise im Verhältnis 2:1 oder 1:0,8, ermöglicht deshalb höhere Gesamtmengen bis etwa 90 Gramm pro Stunde.
Moderne Wettkampfgels sind entsprechend zusammengesetzt. Auf der Packung steht das meist als “2:1 Glukose-Fruktose” oder als Angabe beider Zuckerarten.
Die Formen im Vergleich
Gels. Etwa 20 bis 30 Gramm Kohlenhydrate pro Beutel, schnell aufzunehmen, gut zu dosieren. Brauchen Wasser: Ein Gel ohne Flüssigkeit hinterher ist eine hochkonzentrierte Zuckerlösung im Magen und ein häufiger Grund für Übelkeit.
Riegel. Mehr Volumen, langsamere Aufnahme, sättigender. Bei hoher Intensität schwer zu kauen, bei langen langsamen Läufen und im Trail eine gute Ergänzung.
Sportgetränke. Liefern Flüssigkeit und Kohlenhydrate zusammen, meist 30 bis 40 Gramm pro halbem Liter. Praktisch, aber schlechter zu dosieren – und im Wettkampf weißt du selten, welche Konzentration am Verpflegungspunkt ausgegeben wird.
Alltagslebensmittel. Bananen, Datteln, gesalzene Salzstangen, Gummibärchen, Cola. Funktionieren gut und sind deutlich günstiger. Nachteil ist die schwerere Dosierbarkeit und, bei Obst, der Ballaststoffanteil.
Den Magen trainieren
Das ist der Punkt, der am häufigsten übersprungen wird. Der Magen-Darm-Trakt passt sich an: Die Transportkapazität für Kohlenhydrate lässt sich durch regelmäßige Aufnahme unter Belastung über Wochen messbar steigern.
Wer im Wettkampf 60 Gramm pro Stunde plant, sollte das in mindestens vier bis sechs langen Läufen geübt haben – mit demselben Produkt, in derselben Menge, im selben zeitlichen Abstand.
Der lange Lauf ist dafür der richtige Ort. Mehr dazu unter Der lange Lauf.
Wenn der Magen streikt
Typische Beschwerden bei zu viel oder zu konzentrierter Zufuhr: Völlegefühl, Übelkeit, Krämpfe, in schweren Fällen Durchfall.
Gegenmaßnahmen:
- Menge reduzieren, nicht ganz absetzen
- mehr Wasser zum Gel
- Produkt wechseln, die Zusammensetzungen unterscheiden sich deutlich
- Tempo kurz herausnehmen, bei hoher Intensität ist die Durchblutung des Darms reduziert
Und die Regel, die für alles am Wettkampftag gilt: nichts Neues.
Häufige Fragen
Ab wann brauche ich Gels beim Laufen?
Ab etwa 75 bis 90 Minuten Belastung. Darunter reichen die eigenen Glykogenspeicher aus, und zugeführte Kohlenhydrate bringen keinen messbaren Vorteil.
Wie viele Kohlenhydrate pro Stunde sind sinnvoll?
30 bis 60 Gramm pro Stunde für die meisten Freizeitläufer. Bei Belastungen über zweieinhalb Stunden und mit trainiertem Magen sind bis zu 90 Gramm möglich, dafür braucht es aber eine Mischung aus Glukose und Fruktose.
Was ist der Mann mit dem Hammer?
Die umgangssprachliche Bezeichnung für den plötzlichen Leistungseinbruch, wenn die Glykogenspeicher weitgehend leer sind, typischerweise bei Kilometer 30 bis 35 im Marathon. Er lässt sich durch rechtzeitige Kohlenhydratzufuhr weitgehend vermeiden.
Gel, Riegel oder Getränk?
Gels sind am schnellsten aufzunehmen und am einfachsten zu dosieren, brauchen aber Wasser dazu. Riegel liegen schwerer im Magen und sind bei hoher Intensität schwer zu kauen. Sportgetränke liefern Flüssigkeit und Kohlenhydrate zugleich, sind aber schlechter zu dosieren.
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