Laufschuhe
Carbon-Wettkampfschuhe
Der Effekt ist real und messbar. Er ist nur kleiner, teurer und voraussetzungsreicher, als die Werbung nahelegt.
Seit 2017 hat sich der Wettkampfschuh grundlegend verändert. Was als Kombination aus einer steifen Platte und einem neuartigen Schaum begann, ist inzwischen Standard an jeder Startlinie – und Gegenstand einer Diskussion darüber, was Ausrüstung im Laufsport leisten darf.
Was der Schuh tatsächlich macht
Zwei Komponenten wirken zusammen:
Der Schaum. Hochelastische Materialien geben deutlich mehr der beim Aufprall gespeicherten Energie zurück als klassische Schäume. Das ist der größere Anteil des Effekts.
Die Platte. Eine steife Carbonplatte in der Mittelsohle versteift den Vorfußbereich und verändert den Hebel am Sprunggelenk. Sie wirkt weniger als Sprungfeder – dieses Bild ist populär und falsch – als vielmehr als Stabilisator, der verhindert, dass der weiche Schaum unter Last kollabiert.
Gemessen wird der Nutzen als verbesserte Laufökonomie: derselbe Sauerstoffbedarf bei höherem Tempo. Die Größenordnung liegt bei zwei bis vier Prozent.
Die Einschränkungen
Die Streuung ist groß. In Untersuchungen profitieren einzelne Läufer überdurchschnittlich, andere gar nicht. Wer zu welcher Gruppe gehört, lässt sich nur durch Ausprobieren feststellen.
Der Effekt hängt am Tempo. Der Schaum gibt bei höherer Aufprallenergie mehr zurück. Bei sechs Minuten pro Kilometer bleibt weniger übrig als bei vier.
Die Haltbarkeit ist gering. 200 bis 400 Kilometer sind üblich. Auf den Kilometer gerechnet ist das ein Vielfaches eines Trainingsschuhs.
Die Belastung verschiebt sich. Wade, Achillessehne und Fußmuskulatur arbeiten anders. Wer direkt einen Marathon darin läuft, riskiert Wadenkrämpfe im Schlussteil und eine gereizte Achillessehne danach.
Für wen sich das rechnet
Sinnvoll, wenn mehrere Punkte zusammenkommen:
- Wettkampftempo unter etwa fünf Minuten pro Kilometer
- mehrere Wettkämpfe pro Jahr, sonst verteilt sich der Preis auf wenige Rennen
- eine Zielzeit, bei der wenige Minuten für dich eine Rolle spielen
- Bereitschaft, den Schuh im Training einzugewöhnen
Nicht sinnvoll, wenn der erste Halbmarathon ansteht und es ums Ankommen geht. Dann ist ein bekannter, gut sitzender Trainingsschuh die bessere Wahl – und der Unterschied zwischen Ankommen und Nichtankommen liegt ohnehin nicht im Material.
Die Eingewöhnung
Plane mindestens 40 bis 60 Kilometer im Schuh, bevor er im Wettkampf zum Einsatz kommt. Darin sollte mindestens eine Tempoeinheit im angestrebten Renntempo enthalten sein – idealerweise ein Abschnitt am Ende eines langen Laufs, wenn die Beine schon müde sind.
Das ist derselbe Grundsatz, der für alles am Renntag gilt: nichts Neues. Mehr dazu unter Renntag: der Ablauf.
Häufige Fragen
Wie viel schneller machen Carbonschuhe?
Untersuchungen zeigen eine Verbesserung der Laufökonomie um etwa zwei bis vier Prozent. Auf eine Marathonzeit von vier Stunden gerechnet sind das grob fünf bis zehn Minuten, allerdings nur, wenn der Läufer den Schuh auch nutzen kann. Die individuelle Streuung ist erheblich, einzelne Läufer profitieren gar nicht.
Lohnt sich ein Carbonschuh für Freizeitläufer?
Ab einem Tempo von etwa fünf Minuten pro Kilometer und bei mehreren Wettkämpfen im Jahr wird es interessant. Bei langsamerem Tempo fällt der Effekt kleiner aus, weil die Rückstellenergie des Schaums weniger genutzt wird.
Kann ich im Carbonschuh trainieren?
In Maßen ja, für Tempoeinheiten. Als Alltagsschuh ist er ungeeignet: zu teuer pro Kilometer, zu instabil bei müder Muskulatur und zu einseitig in der Belastung.
Wie oft muss ich den Schuh vor dem Wettkampf getragen haben?
Mindestens 40 bis 60 Kilometer, davon eine Tempoeinheit im Zielrhythmus. Die Wadenmuskulatur arbeitet in diesen Schuhen anders, und das gehört nicht zum ersten Mal am Renntag ausprobiert.
Zuletzt aktualisiert am .