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Lauf-Lust

Laufausrüstung

Laufbekleidung nach Wetter

Zieh dich an, als wäre es zehn Grad wärmer. Wer beim Losgehen angenehm warm ist, schwitzt nach einem Kilometer.

Der häufigste Fehler beim Anziehen ist derselbe wie beim Tempo: Man richtet sich nach den ersten Minuten. Wer beim Losgehen angenehm warm angezogen ist, hat nach einem Kilometer zu viel an.

Die Zehn-Grad-Regel

Der Körper gibt beim Laufen ein Vielfaches der Wärme ab, die er im Ruhezustand produziert. Nach etwa zehn Minuten hat sich ein Gleichgewicht eingestellt, und die gefühlte Temperatur liegt rund zehn Grad über der gemessenen.

Praktisch heißt das: Zieh dich für zehn Grad mehr an, als das Thermometer zeigt. Die ersten Minuten sind unangenehm frisch. Das ist richtig so.

Temperatur Oberkörper Beine Extras
über 20 °C Singlet oder kurzes Shirt kurze Hose Kappe bei Sonne
15 bis 20 °C kurzes Shirt kurze Hose
10 bis 15 °C kurzes Shirt kurze oder ¾-Hose
5 bis 10 °C langes Funktionsshirt lange Tights dünne Handschuhe
0 bis 5 °C Langarmshirt plus dünne Jacke lange Tights Handschuhe, Stirnband
unter 0 °C Langarmshirt, Zwischenlage, winddichte Jacke warme Tights Mütze, Handschuhe, Buff

Die Werte gelten für lockere Läufe bei wenig Wind. Bei Tempoeinheiten kannst du eine Stufe leichter gehen, bei starkem Wind eine Stufe wärmer.

Warum Baumwolle nicht funktioniert

Baumwollfasern nehmen Feuchtigkeit auf und halten sie fest. Drei Folgen:

  1. Auskühlung. Ein nasses Shirt leitet Wärme viel schneller ab als ein trockenes. Bei Wind wird das im Herbst schnell unangenehm.
  2. Gewicht. Ein vollgesogenes Shirt wiegt spürbar mehr.
  3. Scheuern. Die feuchte, schwerere Faser reibt. Achseln, Innenschenkel und bei Männern die Brustwarzen sind die typischen Stellen.

Funktionsfasern transportieren die Feuchtigkeit an die Oberfläche, wo sie verdunstet. Merinowolle kann dasselbe und riecht nach mehreren Läufen weniger stark, trocknet dafür langsamer.

Schichten statt Dicke

Drei dünne Lagen wärmen besser als eine dicke, weil die Luft zwischen den Lagen isoliert. Wichtiger noch: Sie lassen sich anpassen. Eine Jacke, die man nach zwanzig Minuten um die Hüfte binden kann, ist einer perfekt temperierten Jacke überlegen, die es nicht gibt.

Die Standardaufteilung:

  • Innen: Funktionsshirt, hautnah, feuchtigkeitstransportierend.
  • Mitte: dünnes Langarmshirt oder leichtes Fleece, isolierend. Nur bei Kälte.
  • Außen: winddicht. Nur bei Wind, Kälte oder Regen.

Wind und Regen

Wind ist der unterschätzte Faktor. Bei fünf Grad und 25 km/h Gegenwind entspricht die gefühlte Temperatur etwa null Grad. Eine dünne winddichte Schicht löst das Problem mit deutlich weniger Volumen als eine zusätzliche Isolationslage.

Regen löst niemand. Keine atmungsaktive Jacke hält bei einstündigem Laufen im Regen dauerhaft trocken – entweder kommt das Wasser von außen durch oder der Schweiß bleibt innen. Das Ziel ist deshalb nicht Trockenheit, sondern Wärme. Bei mildem Regen lieber weniger anziehen und nass werden; bei kaltem Regen die winddichte Schicht plus eine Mütze mit Schirm, die das Wasser aus den Augen hält.

Häufige Fragen

Was ziehe ich bei welcher Temperatur an?

Als Faustregel: Rechne zur aktuellen Temperatur zehn Grad dazu und zieh dich für diesen Wert an. Bei fünf Grad also so, wie du dich bei fünfzehn Grad zum Spazieren anziehen würdest.

Warum soll ich beim Laufen keine Baumwolle tragen?

Baumwolle saugt Schweiß auf und gibt ihn kaum ab. Das nasse Shirt kühlt bei Wind stark aus und die feuchte Faser scheuert an Achseln, Brustwarzen und Innenschenkeln. Funktionsfasern leiten die Feuchtigkeit nach außen.

Brauche ich eine Laufjacke?

Eine dünne winddichte Jacke ist die sinnvollste Einzelanschaffung für den Winter. Sie ersetzt eine dickere Lage und lässt sich um die Hüfte binden, wenn es zu warm wird. Wasserdichte Jacken sind nur bei Dauerregen und Kälte nötig.

Was ziehe ich bei Regen an?

Bei mildem Regen möglichst wenig, es geht ums Warmbleiben, nicht ums Trockenbleiben. Bei kaltem Regen eine winddichte Schicht über einem Langarmshirt, dazu eine Mütze mit Schirm. Nasse Funktionskleidung wärmt weiter, nasse Baumwolle nicht.

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